Partner-Parade #10: Die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen (GWDG)

#10: GWDG

Bild: Verändert nach GWDG
Die Rolle der GWDG in der NFDI
Die GWDG als Rechenzentrum der Max-Planck-Gesellschaft und der Georg-August-Universität Göttingen trägt zur NFDI in verschiedenen Rollen bei. Neben der Beteiligung an individuellen Konsortien – Text+ ist nur ein Konsortium einer ganzen Gruppe – ist die GWDG auch in den verschiedenen Vereinsgliederungen (bspw. Common Infrastructure, Overall Architecture) sowie mit Basisdienstbeteiligungen (bspw. IAM4NFDI, Accounting4NFDI) aktiv und somit recht illustrer Akteur im Forschungsdatenkonzert der NFDI. Der folgende Beitrag umreißt die Bandbreite dieser Aktivitäten und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Text+ und der Verbindung der GWDG zur SUB Göttingen.
Innerhalb der NFDI und ihren 26 wissenschaftlichen Konsortien trägt die GWDG dazu bei, die verschiedenen Anforderungen zu bewältigen. Besonders hervorzuheben ist ihre Rolle in der Sektion Common Infrastructure, die für die Gestaltung interoperabler und einheitlicher architektonischer Strukturen verantwortlich ist, wodurch eine harmonisierte Koordination und die Entwicklung einer übergreifenden Infrastruktur ermöglicht wird.
So treibt die GWDG in Person von Prof. Dr. Philipp Wieder die übergreifende Infrastrukturentwicklung der NFDI auch als Co-Lead der Working Group NFDI Overall Architecture voran. In dieser Funktion liegt sein Fokus darauf, die stark voneinander abweichenden Anforderungen der verschiedenen Konsortien abzustimmen und interoperable Strukturen zu schaffen. Innerhalb des Konsortiums Text+ fungiert er zudem als Operations Speaker sowie als Leiter der Task Area Infrastructure Operations, was die bedeutende Rolle der GWDG als zentraler Infrastrukturenabler unterstreicht.

Das neue Rechenzentrum auf dem Göttinger Nordcampus, Quelle: GWDG (CC BY-NC-ND 3.0)
GWDG und ihre Partnerschaft im Konsortium Text+
Das Konsortium Text+, das sich auf Forschungsdaten aus den Sprach- und Textwissenschaften spezialisiert, profitiert maßgeblich von der Infrastrukturkompetenz der GWDG. Zusammen mit den Rechenzentren Dresden und Jülich bildet die GWDG das technische Rückgrat des Konsortiums. Die Wahl eines Drei-Rechenzentrensystems bringt sowohl strategische als auch technische Vorteile: Zum einen ermöglicht es eine verteilte Aufgabenstruktur, zum anderen bestehen gemeinsame Anknüpfungspunkte zur Nationalen Hochleistungsrecheninfrastruktur (NHR), wobei die GWDG hier eine Zuständigkeit für die geisteswissenschaftliche Fächer innehat.
Als zentraler Infrastrukturprovider stellt die GWDG das technologische Fundament bereit, welches zwei große Handlungsfelder umfasst:
- Basisinfrastruktur und Projektkollaboration: Die GWDG stellt einen Großteil der im Konsortium intern verwendeten Werkzeuge für die Projektkollaboration zur Verfügung. Hierzu zählen Basisinfrastrukturen wie das Webportal und der Single-Sign-On-Dienst (SSO), ohne die ein reibungsloser Ablauf und ein gemeinsamer Auftritt des Konsortiums kaum realisierbar wären.
- Wissenschaftsgetriebene Dienste und Community Services: Zunehmend stellt die GWDG auch direkte Ressourcen für die Forschenden bereit. Insbesondere in Text+ entwickelte wissenschaftsgetriebene Anwendungen profitieren von den HPC- und KI-Ressourcen, wie etwa den von der GWDG lizenzierten und bereitgestellten Large Language Models (LLMs).
Eine weitere wichtige Rolle kommt der GWDG im Kontext der NFDI-Basisdienste zu. So ermöglicht der Basisdienst Jupyter4NFDI bspw. Data Processing Pipelines im geisteswissenschaftlichen Kontext. Der neue fluffy Publication-Workflow für das TextGrid-Repository fußt zu einem Gutteil auf dem Jupyter-Notebook-Angebot der GWDG. Weitere Basisdienste sind IAM4NFDI oder Accounting4NFDI. Von diesen Beiträgen der GWDG profitiert die gesamte NFDI und nicht nur Text+.
Die Campus-Partnerschaft: Strategisches Brokering am Standort Göttingen
Die Bereitstellung der Dienste für Text+ basiert auf einer bewährten lokalen Partnerschaft zwischen der GWDG und der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Göttingen, die eine lange, bis zu den Anfängen von DARIAH-DE zurückreichende Tradition hat (siehe hierzu auch den Beitrag Partner_Parade #08 „Die SUB Göttingen in Text+“). Die Rollen- und Aufgabenverteilung ist dabei strikt komplementär: Die GWDG ist für die generischen Angebote zuständig (Speicher, Logins, Rechenpower), während die wissenschaftsgetriebenen, fachspezifischen Dienste (wie Repositorien oder die Langzeitarchivierung) bibliothekarisch betreut werden.
In diesem Gefüge übernimmt die SUB die entscheidende Funktion als „Broker“ für die GWDG-Ressourcen. Die GWDG verfügt als Großrechenzentrum zwar über relevante IT-Infrastrukturen, könnte diese im Projektalltag jedoch aus eigener Kraft kaum so kleinteilig und spezifisch anpassen, wie es eine geisteswissenschaftliche Community benötigt.
- Beispiel Helpdesk (GOTRS): Die technische Basis des Text+ Helpdesks läuft über das universitätsweite Ticketsystem GOTRS der GWDG. Für das Rechenzentrum macht das Ticketaufkommen von Text+ quantitativ nur einen verschwindend geringen Bruchteil aus. Der administrative Aufwand, der durch spezifische Queues und die Rechteverwaltung für Text+-Agenten entsteht, ist jedoch hoch. Die SUB als lokale Partnerin fängt diesen Aufwand als Broker ab, administriert das System auf fachlicher Ebene und macht die mächtige Infrastruktur der GWDG für das Konsortium überhaupt erst handhabbar.

Blick in einen der Serverräume, Quelle: GWDG
Ausgewählte Dienste der GWDG
Einige der besonders relevanten Dienste der GWDG für Text+ umfassen:
- GOTRS: Das mandantenfähige Helpdesk-System auf OTRS-Basis für den reibungslosen Nutzendensupport in Text+.
- LLMs (Large Language Models): Rechenzentrumsbasierte Bereitstellung und Lizenzierung von KI-Modellen für die Entwicklung textbasierter wissenschaftlicher Anwendungen.
- SSO über AcademicID: Zentrales und sicheres Zugriffsmanagement, das Nutzer*innen mit einer einzigen Anmeldung (Single-Sign-On) Zugang zu allen Diensten von Text+ gewährt.
- Etherpads / HedgeDoc: Werkzeuge für die synchrone und unkomplizierte Zusammenarbeit an Texten und Dokumenten in Echtzeit.
- Matrix: Ein sicheres und dezentrales Kommunikationsprotokoll, das als Chatumgebung für das Konsortium bereitgestellt wird.
Die GWDG in Text+ auf einen Blick
| Institution | Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen (GWDG) |
| Trägerschaft | Georg-August-Universität Göttingen und Max-Planck-Gesellschaft |
| Standort | Göttingen, Niedersachsen |
| Rolle in Text+ | Zentraler Infrastrukturprovider, Co-Leitung der Task Area Infrastructur/Operations |
| Anzahl der Mitarbeiter:innen | Rund 195 |
| Beteiligungen in der NFDI | Beteiligt in Basisdiensten (Base4NFDI) und zahlreichen Fachkonsortien (u. a. Text+, NFDI4Biodiversity, NFDI4Ing, NFDIxCS) |
| Bereitgestellte Dienste (Auswahl) | SSO (AcademicID), NextCloud, Matrix, GOTRS, Etherpads, HPC und KI/LLM-Ressourcen |
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OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Moritz Knop, Moujan Mirjalili, Sophia Wolf (3. Juni 2026). Partner-Parade #10: Die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen (GWDG). Text+ Blog. Abgerufen am 15. August 2026 von https://doi.org/10.58079/16c14
