DMPs – Welche Bedarfe hat unsere Community?

Im Juni berichteten wir über unsere Zusammenarbeit mit DMP4NFDI, bei der es vor allem um Datenmanagementpläne (DMPs) und den Research Data Management Organiser (RDMO) geht. In der zweiten Phase des Projekts haben wir nun eine Umfrage zu Bedarfen an DMPs und RDMO durchgeführt.
In diesem Beitrag möchten wir euch noch einmal Einblick in unsere Arbeit geben und die relevantesten Erkenntnisse aus unserer Umfrage mit euch teilen.
Wieso eine Umfrage?
Während unserer Arbeit am Text+ RDMO Template haben wir festgestellt, dass Änderungen am Fragenkatalog selbst zwar sinnvoll sind, um unser Angebot signifikant zu verbessern, es jedoch weiterer Anstrengungen bedarf, um die Kenntnisse über DMPs und deren Nutzen in der Community zu vertiefen. Deshalb haben wir in einem weiteren Inkubatorprojekt mit DMP4NFDI (Inkubator II) eine Umfrage durchgeführt, in der wir unsere Community zu ihren Wünschen und Bedarfen in Bezug auf DMPs und konkret RDMO befragten. Die Antworten helfen uns, geeignete Kommunikationsstrategien zu entwickeln, um DMPs in Verbindung mit RDMO als sinnvolles Instrument beim Forschungsdatenmanagement zu etablieren und unser Angebot für die Text+ Community zu optimieren.
Beobachtungen und Erkenntnisse
Von den insgesamt 50 Teilnehmenden der Umfrage ist die Mehrheit an Universitäten, nicht-universitären Forschungseinrichtungen sowie Bibliotheken oder Archiven verortet. Über 70% der Befragten sind in einem geisteswissenschaftlichen Konsortium wie Text+ oder NFDI4Culture vertreten und vornehmlich in der Beratung, Koordination von Projekten sowie der Verwaltung von Forschungsdaten tätig. Fast alle Teilnehmenden gaben an, in ihrer Arbeit mit DMPs entweder durch Beratung, etwa in Form von Schulungen, oder über die Nutzung von DMP-Vorlagen in Berührung zu kommen. Knapp die Hälfte aller Teilnehmenden hat außerdem bereits Erfahrung in der Nutzung eines DMP-Tools gesammelt und hält DMPs für Forschungsprojekte für sehr wichtig oder wichtig. Die erhobenen Informationen zur institutionellen Einordnung der Teilnehmenden sowie deren Berührungspunkte mit DMPs und RDMO zeigen, dass wir mit unserer Umfrage Personen erreicht haben, die unserer Zielgruppe entsprechen und deren Kritik und Verbesserungsvorschläge relevant für uns sind. Daher sind ihre Antworten auf unsere Fragen zur Optimierung der Angebote von besonderem Interesse gewesen.

Erkenntnisse zu DMPs
DMPs gelten unseren Befragten allgemein als (noch) zu wenig anerkannt. Einige berichten, dass Forschende der zeitliche Aufwand oder die Mehrarbeit, die mit der Erstellung eines DMPs einhergeht, abschreckt, zumal ihnen die praktische Relevanz oft unklar sei. Die Befragten wünschen sich, dass die Bedeutung von DMPs in Bewertungs- und Förderkriterien besser abgebildet wird. Insgesamt scheint die mangelnde Transparenz, welche Rolle DMPs hier spielen, sowohl die extrinsische als auch die intrinsische Motivation zur Erstellung von DMPs zu hemmen.
Erkenntnisse zu RDMO
Bei den Fragen zu RDMO als Tool wurden konkrete Bedarfe genannt:
- Wunsch nach Schulungen: zum einen erscheint RDMO insgesamt als zu komplex, zum anderen fehlt Grundwissen
- Wunsch nach (automatisierter) Zuweisung zu passenden Repositorien
- Ausgeprägter Wunsch nach verbesserter Ausgabe (DMP-Export, Ansichten) und integrierter Hilfestellung in Form von Textbausteinen und konkreter Beispiele
- Wunsch nach besserer/aktueller Dokumentation
Befragte wiesen außerdem darauf hin, dass manche Universitäten keinen Zugang zu einer RDMO-Instanz haben. DMP4NFDI arbeitet daran, zumindest für die gesamte NFDI RDMO-Zugänge zu ermöglichen. Ein weiterer Abbau von Zugangshürden sollte aber künftig auch in Text+ Thema sein.
Einige Bedarfe an RDMO beziehen sich auf die Templates oder die fachspezifischen Fragenkataloge. Die Kataloge mit ihren Fragen und Vorgaben werden einerseits als zu allgemein wahrgenommen, andererseits wirke die Menge an Fragen abschreckend, zumal eine Priorisierung der relevanten Fragen mitunter schwierig sei. Einige Befragte verwiesen auf die DFG-Checkliste, die in ihrer Kürze ausreichend sei. Auch rechtliche Fragen werden als Hürde wahrgenommen, hinzu kommt ein Gefühl sprachlicher „Verklausulierung“.
Mit diesen Punkten hängt ein übergeordnetes Problem zusammen: das fehlende Bewusstsein für Daten im Forschungsprozess. Projektanträge, für die ein DMP wichtig wäre, werden selten von Datenmanager*innen geschrieben, sodass die Kenntnisse über FDM bei den Verfassenden oft nicht ausreichend sind. Darüber hinaus wird es mitunter als schwierig wahrgenommen, die erforderlichen Informationen von allen Projektbeteiligten zu erhalten, um sie dann in einen ordentlichen DMP einzupflegen. Hier wurde der Wunsch nach Use Cases und Schulungen, konkret für EU-DMP-Deliverables, geäußert.
Anforderungen an Interoperabilität
Aus den Antworten unserer Befragten ließ sich noch ein weiteres Themenfeld identifizieren: Interoperabilität. Hier wurde kritisiert, dass Schnittstellen zur restlichen FDM-Infrastruktur fehlen und eine Reihe von Wünschen geäußert:
- Agentenbasierte Abfrage
- KI-Unterstützung für Textbausteine
- Textbasierte Hilfe beim Ausfüllprozess
- Datenübernahme / Anschluss an Fachrepositorien und Datenbanken
- Datenexport in Repositorien
- Import von Aufgaben in Kalender
Diese Liste soll in der zweiten Förderphase, ggf. weiterhin in Zusammenarbeit mit DMP4NFDI, Beachtung finden (siehe Ausblick).
Community Engagement
Auf der Community- und Kommunikationsebene kristallisieren sich im Wesentlichen zwei Probleme heraus: Einerseits sind viele Angebote sowie der Nutzen von DMPs nicht ausreichend bekannt. Deshalb halten wir es für wichtig, regelmäßig auf die bereits existierenden Beratungsangebote hinzuweisen, welche den Forschenden die Arbeit mit DMPs erleichtern – zumal am Ende des Forschungsvorhabens Zeit eingespart werden kann, wenn von Beginn an ein ordentliches FDM betrieben wurde. Andererseits sind vielen Forschenden zu viele Angebote bekannt, wodurch es für sie schwierig ist, das für sie passendste auszusuchen. Auch hier wären Informationsveranstaltungen oder konkrete Beratungsangebote hilfreich.
Fazit und Ausblick
Die Antworten dieser Umfrage ermöglichen es uns, die DMP-Angebote besser auf unsere Community zuzuschneiden und gezielte Kommunikationsstrategien zu entwickeln. Insbesondere durch die Zusammenarbeit mit DMP4NFDI gehen wir einen wichtigen Schritt in Richtung „OneNFDI“ und gestalten unsere Forschungsdateninfrastruktur aktiv mit.
Perspektivisch sind in einem geplanten dritten Inkubatorprojekt von Text+ und DMP4NFDI folgende nächste Schritte denkbar:
- Schaffung eines niedrigschwelligen Zugangs zum Text+ Fragenkatalog auf einer eigenen Website für die Community
- Entwicklung von Trainingsangeboten und -materialien, die sich auf das Schreiben und Reviewen von DMPs in RDMO fokussieren und bestimmte Themen, z. B. rechtliche Fragen, praxisnah behandeln
- RDMO-Workshops für Data Stewards der Community (konkret plant DMP4NFDI derzeit einen Workshop zu RDMO-Ansichten mit KI-Unterstützung)
- Schaffung von Schnittstellen zu ausgewählter angrenzender FDM-Infrastruktur
Erwähnt sei auch, dass durch die enge Vernetzung mit dem RDMO-Verein die Ergebnisse dieser Umfrage direkt in die RDMO-Community einfließen und somit die an den Bedarfen der Anwender*innen ausgerichtete Weiterentwicklung des RDMO-Werkzeugs vorangetrieben wird.
Abschließend bedanken wir uns noch einmal herzlich bei allen Teilnehmenden der Umfrage!
Unsere Angebote & weiterführende Links
Tools
- Der Text+ Fragenkatalog in XML ist auch auf der Website der RDMO-Community veröffentlicht.
- RDMO Plug-Ins
- Text+ Helpdesk / Kontaktformular
Literatur
- Gerstner, E., Jander, M. (2026). Text+ & DMP4NFDI – FDM als Joint Effort. Text+ Blog. DOI: 10.58079/16dty.
- Gerstner, E., Henne, T., Jander, M. & König, S. (2024). RDMO in Text+. Text+ Blog. DOI: 10.58079/12rvp.
Grafik (Beitragsbild): Melina Jander, alle Rechte vorbehalten.
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OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Eva-Maria Gerstner, Melina Jander, Marisabel Gonzalez-Ocanto (24. September 2026). DMPs – Welche Bedarfe hat unsere Community? Text+ Blog. Abgerufen am 6. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/16u2t
